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Kulturelle Identität in Stein gehauen

Denkmalpreis des Landkreises geht an engagierte Hauseigentümer mit handwerklichem Geschick

 Ein Abriss kann ein neuer Anfang sein. So war es jedenfalls beim Steinhaus in der Volkmarser Pfortenstraße. Hier fand gestern die feierliche Übergabe der Denkmalschutzpreise des Landkreises Waldeck-Frankenberg statt.

 

VON ELMAR SCHULTEN

Volkmarsen. Zum zweiten Mal hat der Landkreis den Denkmalschutzpreis an Hausbesitzer verliehen, die sich engagiert für die Erhaltung historischer Bausubstanz in Waldeck-Frankenberg eingesetzt haben.

 

2700 Baudenkmale

Mit einem Preisgeld von jeweils 1500 Euro wurden die Häuser von Stefan LangPrimavera in Battenhausen, von Olga und Heinz Röhle in Helmscheid sowie von Helga Wagner und Jochen Bischoff in Sachsenberg bedacht. Das Haus von Jochen Siebert in Volkmarsen erhält ein Preisgeld in Höhe von 500 Euro. Ausgezeichnet wurde außerdem der Kulturkreis Sachsenberg. Die Laudatio auf die Preisträger hielt der Erste Kreisbeigeordnete Jens Deutschendorf. Er wies darauf hin, dass das historische und kulturelle Erbe die Identität des Landkreises ausmache. Insgesamt stünden in Waldeck-Frankenberg 2500 Einzelobjekte und 270 Ensembles unter Denkmalschutz. Deren Erhaltung gelinge immer dann besonders gut, wenn sich Menschen mit ganzer Kraft dafür einsetzten.

 

Alt und neu in Harmonie

Beispielhaft hat dies Jochen Siebert geleistet, als er eines der ältesten Gebäude in Volkmarsen sanierte. Das mittelalterliche Steinhaus in der Pfortenstraße stammt aus dem 13. Jahrhundert. Als es 1998 wiederentdeckt wurde, sahen die meisten Menschen nur das baufällige und abbruchreife Vorderhaus. Fachleute der Denkmalpflege erkannten den bauhistorischen Wert des alten Speichergebäudes, das auch den Stadtbrand von 1680 unbeschadet überstanden hatte. Das Gebäude wurde aufgemessen, gesichert und mit einem neuen Dach versehen. Dann erwarb Jochen Siebert das ungewöhnliche Denkmal und gestaltete es in ein Schulungs- und Tagungsgebäude für Baufachleute und Architekten um. Dabei gelang es ihm besonders gut, die historische Bausubstanz mit modernen Elementen zu verknüpfen. Die neue Nutzung wurde letztlich erst durch den Abriss des Vorderhauses möglich.Einer von drei Hauptpreisträgern war gestern Stefan Lang Primavera, der seit 1994 in Battenberg einen Gebäudekomplex, bestehend aus Wohnhaus, Scheune und Stallungen, komplett saniert hat.

 

Schmuckstück im Dorf

Seit 2009 ist der Komplex auf modernen Grundlagen nutzbar und bietet einen ansprechenden Anblick, ohne seinen denkmalgeschützten Charakter verloren zu haben, erklärte Deutschen- dorf. Olga und Heinz Röhle haben in der Ortsmitte von Helmscheid ein 1747 erbautes Fachwerkhaus vor dem endgültigen Zerfall bewahrt.

Das Haus hatte zwei Jahre lang leer gestanden, war völlig verwohnt und hatte ein löchriges Dach. Die Nachbarn und der Ortsbeirat hatten sich schon lange den Abriss gewünscht, doch dann versetzten Olga und Heinz Röhle das Haus wieder in den Zustand eines beispielhaften ländlichen Fachwerkhauses, das inzwischen ein wahrer Schmuck für das Dorf ist. Viel Lob hatte Deutschendorf auch für das ausgezeichnete Fachwerkensemble in Sachsenberg parat: Die Gebäude liegen im mittelalterlich geprägten Ortskern und umfassen zwei nebeneinander liegende Häuser, die nur durch eine schmale Traufgasse voneinander getrennt sind. Helga Wagner und Jochen Bischoff haben das 1545 erbaute Spichernhaus -das älteste Gebäude der Stadt-  in seinem historischen Zustand erhalten, so dass es inzwischen als Ausstellungsraum genutzt werden kann. Das weitere Fachwerkhaus gleich nebenan hat das aus Aachen stammende Ehepaar ebenfalls in einem verfallenen Bauzustand erstanden und innerhalb von wenigen Jahren von Grund auf saniert und gemütlich hergerichtet. So wurde Sachsenberg zu ihrer neuen Heimat.

In Vöhl-Ederbringhausen hat die Familie Steiner die Hofanlage „Förster Josts” liebevoll restauriert. Das sanierte Wohnhaus bildet zusammen mit dem Stall und den Scheunen einen typisch fränkischen Dreiseitenhof.